Untergegangene Kirchspiele im Jadebusen
„...O Kummer und Betrübnis: zu sehen, wie die Menschen in den Fluten hin- und hergeworfen wurden, als wären sie Meeresgetier; zu sehen, wie die Gewalt des Meeres die Elenden auf einigen zusammengefügten Pfählen oder auf Heu und Stroh hin- und herzerrte, ohne wie ein Schiff navigieren zu können. Bei dieser Sintflut sind Tausende Männer, Frauen und Kinder untergegangen, und auch Kirchen sind zerstört worden.“
Emo von Wittewierum, Probst und Abt des gleichnamigen Klosters in den heutigen Niederlanden. Ausschnitt des ersten Augenzeugenberichts einer Flutkatastrophe. Erste Marcellusflut 16. Januar 1219. (Übersetzung von Bernd Rieken)
Die mittelalterlichen Sturmfluten zerstörten mit ihren ungeheuren Wassermassen die Niederungsflächen des kleinen Flusses Jade und schufen so allmählich den Jadebusen. Das Gebiet war zuvor dicht besiedelt, was die ausgedeichten und zerstörten Kirchspiele belegen.
Kirchen wie Humens, Dauens, Arngast, Dangast, Hiddels und Jadeleh gingen bereits in den frühen Sturmfluten unter. 1511 mussten dann auch Bant, Bordum, Seediek, Ahm und Oldebrügge aufgegeben werden.
Erste Berichte über Schadensfluten sind aus Klöstern erhalten geblieben, in denen sich ein Zentrum der schriftlichen Aufzeichnungen in Mitteleuropa gebildet hatte. Aus der katholischen Tradition heraus wurden alle Schadensfluten nach Tagesheiligen oder Feiertagen benannt, an denen sie stattfanden.